Wärmepumpe Arten im Überblick: Luft, Erde & Wasser im Vergleich
Von Jonas BrandtAktualisiert am 21. März 20267 Min. Lesezeit
Wärmepumpe Arten im Vergleich: Luft, Erde und Wasser mit JAZ, Kosten, Förderung und Auswahlhilfe nach Gebäudetyp. Welche passt zu Ihrem Haus?

Inhaltsverzeichnis▾
- Die vier Haupt-Arten der Wärmepumpe im Überblick
- Luft-Wasser-Wärmepumpe: der Allrounder
- Lautstärke nicht unterschätzen
- Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdwärme): effizient, aber baulich aufwendig
- Wasser-Wasser-Wärmepumpe (Grundwasser): die effizienteste Art
- Luft-Luft-Wärmepumpe und Sonderformen
- Kältemittel: das oft übersehene Auswahlkriterium 2026
- Heizen und Kühlen mit einer Anlage
- Effizienz, Kosten und Förderung im Vergleich
- Was die Förderung daraus macht
- Stromkosten als laufender Faktor
- Welche Wärmepumpe passt zu meinem Haus?
- Fazit
Sie planen den Umstieg auf eine Wärmepumpe und stoßen sofort auf Begriffe wie Luft-Wasser, Sole-Wasser oder Monoblock? Die kurze Antwort vorweg: Es gibt vier zentrale Wärmepumpe Arten, die sich nach ihrer Wärmequelle unterscheiden – Luft, Erdreich, Grundwasser und Raumluft. Welche davon zu Ihrem Haus passt, hängt vor allem von Grundstück, Heizsystem und Budget ab. Dieser Überblick erklärt alle Typen neutral, vergleicht Effizienz und Kosten und hilft Ihnen mit einer Auswahlhilfe nach Gebäudetyp, die richtige Entscheidung zu treffen.
Die vier Haupt-Arten der Wärmepumpe im Überblick
Jede Wärmepumpe arbeitet nach demselben Prinzip: Ein Kältemittel entzieht einer Umweltquelle Wärme, ein elektrisch betriebener Verdichter hebt diese auf ein nutzbares Temperaturniveau, und die Energie wird an das Heizsystem abgegeben. Der entscheidende Unterschied zwischen den Arten liegt darin, woher sie ihre Wärme beziehen.
- Luft-Wasser-Wärmepumpe: nutzt die Außenluft, gibt Wärme an das wassergeführte Heizsystem ab. Mit großem Abstand die häufigste Art in Deutschland.
- Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdwärmepumpe): entzieht dem Erdreich über Kollektoren oder Sonden Wärme.
- Wasser-Wasser-Wärmepumpe (Grundwasserwärmepumpe): nutzt das ganzjährig konstant temperierte Grundwasser.
- Luft-Luft-Wärmepumpe: überträgt Wärme direkt auf die Raumluft, ohne Heizkreislauf.
Die ersten drei werden „wassergeführt" betrieben und versorgen Heizkörper oder Fußbodenheizung. Die Luft-Luft-Variante ist technisch ein Klimagerät mit Heizfunktion und spielt im Einfamilienhaus eine Nebenrolle.
Luft-Wasser-Wärmepumpe: der Allrounder
Die Luft-Wasser-Wärmepumpe (kurz Luftwärmepumpe) ist der Standard im Neubau und in der Sanierung. Sie wird als Außengerät (Monoblock) oder als Split-Anlage mit Innen- und Außeneinheit aufgestellt und braucht keine Genehmigung oder Erdarbeiten.
Vorteile: geringe Investitionskosten, schnelle Installation, flexibel platzierbar. Nachteile: Die Effizienz sinkt an sehr kalten Tagen, weil die Quelltemperatur dann am niedrigsten ist – genau dann, wenn der Wärmebedarf am höchsten ist. Die Jahresarbeitszahl (JAZ) liegt typischerweise zwischen 3,0 und 4,0, einfache Geräte erreichen nur etwa 2,5.
Lautstärke nicht unterschätzen
Der einzige relevante Praxisnachteil ist der Ventilator des Außengeräts. Als grobe Orientierung gelten folgende Schallleistungspegel:
- bis 6 kW Leistung: rund 55 dB(A)
- 6 bis 12 kW: rund 60 dB(A)
- über 12 kW: bis 65 dB(A)
Entscheidend ist der Schalldruck am Nachbargrundstück. Hier sollten nachts die Immissionsrichtwerte (in reinen Wohngebieten 35 dB(A)) eingehalten werden. Ausreichend Abstand, ein günstiger Aufstellort und ein moderner Flüstermodus lösen das Problem in der Regel.
Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdwärme): effizient, aber baulich aufwendig
Die Sole-Wasser-Wärmepumpe nutzt die im Erdreich gespeicherte Wärme. Ein Frostschutzgemisch (Sole) zirkuliert entweder durch Flächenkollektoren, die horizontal in 1,2 bis 1,5 Metern Tiefe verlegt werden, oder durch Erdsonden, die vertikal bis etwa 100 Meter in den Boden reichen.
Weil die Erdtemperatur ganzjährig stabil bei rund 8 bis 12 Grad liegt, arbeitet diese Art sehr gleichmäßig und erreicht eine JAZ um 4,1. Der Preis dafür: Kollektoren benötigen viel unversiegelte Fläche (für 10 kW Heizleistung rund 300 m²), Sonden erfordern eine Bohrung (etwa 60 Euro je Meter) und in den meisten Bundesländern eine wasserrechtliche Anzeige oder Genehmigung. Für Bestandsgrundstücke ist die Erdsonde daher meist nur sinnvoll, wenn ohnehin Tiefbauarbeiten anstehen.
Wasser-Wasser-Wärmepumpe (Grundwasser): die effizienteste Art
Die Wasser-Wasser-Wärmepumpe zapft das Grundwasser an, das mit konstant 8 bis 12 Grad die ideale Wärmequelle ist. Dafür werden zwei Brunnen gebohrt: ein Förderbrunnen, der das Wasser zur Wärmepumpe leitet, und ein Schluckbrunnen, der es abgekühlt zurückführt.
Mit einer JAZ bis 5,0 ist sie die effizienteste aller Arten. Allerdings ist sie auch die anspruchsvollste: Sie setzt eine behördliche Genehmigung, ausreichend ergiebiges Grundwasser (Faustwert rund 1 Liter pro Sekunde je 15 kW) und passende Wasserqualität voraus. Ist das Grundwasser zu eisenhaltig, verockern die Brunnen. Vor der Planung ist ein Pumpversuch und eine Wasseranalyse Pflicht.
Luft-Luft-Wärmepumpe und Sonderformen
Die Luft-Luft-Wärmepumpe verteilt Wärme direkt über die Raumluft. Sie lohnt sich vor allem in sehr gut gedämmten Häusern (KfW-Effizienzhaus, Passivhaus) mit kontrollierter Wohnraumlüftung sowie als Klimaanlage mit Heizfunktion. Für klassische Heizkörperhäuser ist sie ungeeignet, weil kein wassergeführtes System versorgt wird.
Neben den vier Grundtypen gibt es Sonderformen, die viele Ratgeber übergehen:
- Hochtemperatur-Wärmepumpe: liefert Vorlauftemperaturen bis 70 bis 75 Grad und macht den Betrieb mit alten Heizkörpern ohne Flächentausch möglich. Aufpreis rund 20 bis 25 Prozent.
- Brauchwasser-Wärmepumpe: bereitet ausschließlich Warmwasser, oft kombiniert mit einer Photovoltaikanlage.
- Hybrid-Wärmepumpe: koppelt eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit einem vorhandenen Gas- oder Ölkessel (bivalenter Betrieb). Sinnvoll als Übergangslösung in schwer sanierbaren Altbauten.
- Abluft-Wärmepumpe: nutzt die warme Abluft eines Lüftungssystems.
Wer rein elektrisch und ohne fossile Spitzenlast heizt, spricht von monovalentem Betrieb. Springt zusätzlich ein zweiter Wärmeerzeuger an, ist es ein bivalentes System.
Kältemittel: das oft übersehene Auswahlkriterium 2026
Ein Punkt, den klassische Vergleiche vernachlässigen: das Kältemittel. Seit der Verschärfung der EU-F-Gas-Verordnung gewinnt das natürliche Kältemittel R290 (Propan) stark an Bedeutung. Sein Treibhauspotenzial (GWP) liegt bei nur 3, während synthetische Kältemittel wie R32 ein GWP von mehreren Hundert haben.
Für Sie als Käufer ist das aus drei Gründen relevant:
- Zukunftssicherheit: R290-Geräte fallen nicht unter künftige Verbote synthetischer Kältemittel.
- Hohe Vorlauftemperaturen: Propan-Wärmepumpen erreichen leicht 70 Grad und eignen sich damit besonders gut für die Sanierung.
- Sicherheit: Propan ist brennbar, deshalb gelten Abstandsregeln beim Aufstellort – ein Detail, das die Planung beeinflusst.
Wer 2026 neu kauft, sollte ein Gerät mit natürlichem Kältemittel klar bevorzugen.
Heizen und Kühlen mit einer Anlage
Viele Wärmepumpen können den Prozess umkehren und im Sommer kühlen – ein Aspekt, der in den meisten Übersichten zu kurz kommt. Man unterscheidet:
- Passive Kühlung: Nur bei Erd- und Grundwasserwärmepumpen möglich. Die kühle Quelle wird ohne aktiven Verdichter direkt durch die Fußbodenheizung geführt – sehr energiesparend.
- Aktive Kühlung: Bei allen Arten möglich, der Kältekreis läuft wie eine Klimaanlage. Effektiver, aber stromintensiver.
Eine Fußbodenheizung kühlt sanft über Strahlung; Luft-Luft-Geräte kühlen schneller und gezielter über die Raumluft.
Effizienz, Kosten und Förderung im Vergleich
Die folgende Tabelle fasst typische Richtwerte für ein saniertes Einfamilienhaus zusammen. Die tatsächlichen Werte hängen stark von Dämmstandard, Heizflächen und örtlichen Gegebenheiten ab.
| Wärmepumpen-Art | JAZ (Richtwert) | Investition* | Erdarbeiten / Genehmigung | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Luft-Wasser | 3,0–4,0 | 12.000–18.000 € | nein | günstig, flexibel, Schall beachten |
| Sole-Wasser (Erdwärme) | ca. 4,1 | 18.000–28.000 € | ja (Anzeige/Bohrung) | sehr stabil, flächen- bzw. bohrintensiv |
| Wasser-Wasser (Grundwasser) | bis 5,0 | 18.000–25.000 € | ja (Genehmigung) | höchste Effizienz, Wasserqualität entscheidend |
| Luft-Luft | 3,0–4,0 | 6.000–12.000 € | nein | nur für sehr gut gedämmte Häuser |
*Komplettpreise inkl. Installation, vor Abzug der Förderung; Richtwerte 2026.
Was die Förderung daraus macht
Über die BEG-Förderung der KfW sind 2026 bis zu 70 Prozent Zuschuss möglich. Diese setzen sich zusammen aus:
- 30 Prozent Grundförderung für jede förderfähige Wärmepumpe,
- 20 Prozent Klimageschwindigkeitsbonus beim Tausch einer alten fossilen Heizung,
- 30 Prozent Einkommensbonus bei einem zu versteuernden Haushaltseinkommen bis 40.000 Euro,
- zusätzlich 5 Prozent Effizienzbonus für Geräte mit natürlichem Kältemittel oder Erd-/Wasserquelle.
Die Boni sind kombinierbar, aber auf maximal 70 Prozent gedeckelt. Förderfähig sind bis zu 30.000 Euro je Wohneinheit. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe für 16.000 Euro kann sich so auf eine Eigenleistung von unter 5.000 Euro reduzieren – das verändert die Wirtschaftlichkeit grundlegend.
Stromkosten als laufender Faktor
Bei einem Strompreis von rund 28 ct/kWh und einem Wärmebedarf von 12.000 kWh kostet eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit JAZ 3,5 etwa 960 Euro Strom im Jahr. Eine Erdwärmepumpe mit JAZ 4,5 käme bei gleichem Bedarf auf rund 750 Euro. Ein günstiger Wärmepumpentarif oder eigener PV-Strom senkt diese Kosten weiter.
Welche Wärmepumpe passt zu meinem Haus?
Statt einer pauschalen „besten" Art zählt die Passung. Diese Auswahlhilfe ordnet die Typen nach Ausgangslage:
- Neubau mit Fußbodenheizung: Luft-Wasser ist meist das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer ein großes Grundstück und langfristige Effizienz will, prüft Erdwärme.
- Altbau mit Heizkörpern: Erst Heizlast und Vorlauftemperatur prüfen. Liegt sie unter 55 Grad, genügt eine Standard-Luft-Wasser-Wärmepumpe; darüber lohnt eine Hochtemperatur-Variante.
- Großes, unbebautes Grundstück: Erdkollektoren oder -sonden bieten beste Effizienz, sofern Erdarbeiten möglich sind.
- Ergiebiges, sauberes Grundwasser vorhanden: Wasser-Wasser für maximale Effizienz – nach Wasseranalyse.
- Sehr gut gedämmtes Niedrigenergiehaus: Luft-Luft mit Lüftungsanlage kann ausreichen.
- Schwer sanierbarer Altbau, vorhandener Kessel: Hybrid-System als Übergang.
Der wichtigste Schritt bleibt unabhängig von der Art: eine professionelle Heizlastberechnung. Sie verhindert eine über- oder unterdimensionierte Anlage – der häufigste und teuerste Planungsfehler.
Fazit
Die vier Haupt-Wärmepumpe Arten unterscheiden sich vor allem in Wärmequelle, Effizienz und baulichem Aufwand: Die Luft-Wasser-Wärmepumpe punktet mit niedrigen Kosten und Flexibilität, Erd- und Grundwasserwärmepumpen mit höchster Effizienz, aber mehr Aufwand und Genehmigungen. Luft-Luft- und Sonderformen wie Hochtemperatur- oder Hybrid-Wärmepumpen decken Nischen ab. Achten Sie 2026 zusätzlich auf ein natürliches Kältemittel wie R290 und nutzen Sie die BEG-Förderung von bis zu 70 Prozent. Die richtige Wahl ergibt sich nicht aus der „besten" Technik, sondern aus Ihrem Gebäude, Grundstück und Heizsystem – am sichersten beantwortet durch eine fachliche Heizlastberechnung und ein unabhängiges Energieberatungsgespräch.
Häufige Fragen
Welche Wärmepumpen-Arten gibt es?+
Man unterscheidet vier Hauptarten nach Wärmequelle: Luft-Wasser-, Sole-Wasser- (Erdwärme), Wasser-Wasser- (Grundwasser) und Luft-Luft-Wärmepumpen. Dazu kommen Sonderformen wie Hochtemperatur-, Brauchwasser- und Hybrid-Wärmepumpen.
Welche Wärmepumpen-Art ist am effizientesten?+
Wasser-Wasser-Wärmepumpen erreichen mit JAZ bis 5,0 die höchste Effizienz, gefolgt von Sole-Wasser-Wärmepumpen (JAZ rund 4,1). Luft-Wasser-Wärmepumpen liegen bei JAZ 3,0 bis 4,0, sind dafür aber deutlich günstiger und einfacher zu installieren.
Welche Wärmepumpe eignet sich für die Altbau-Sanierung?+
Im Altbau ist meist eine Luft-Wasser-Wärmepumpe die praktischste Wahl, weil keine Erdarbeiten nötig sind. Wichtig sind ausreichend große Heizflächen und eine Vorlauftemperatur unter 55 Grad – sonst lohnt eine Hochtemperatur-Wärmepumpe oder ein hydraulischer Abgleich.
Wie hoch ist die Förderung für Wärmepumpen 2026?+
Über die BEG-Förderung der KfW sind 2026 bis zu 70 Prozent der Investitionskosten als Zuschuss möglich (Grundförderung 30 Prozent plus Klimageschwindigkeits- und Einkommensboni), gedeckelt auf 30.000 Euro förderfähige Kosten je Wohneinheit.


